Don‘t look back in anger

Letzte Woche hat der AK „Stalin hat uns das Herz gebrochen“ bei
der Arranca-Radiosendung teilgenommen mit dem Titel „Don‘t look back in
anger“ Das Thema: Notwendigkeit linker Geschichtsschreibung. Hier der
Link zum anhören!

Workshop-Tag zu Scheitern und Zukunft des Kommunismus

Samstag, 31.10., 10.30 bis 22 Uhr
HU Berlin, Dorotheenstr. 24

Der AK Stalin hat uns das Herz gebrochen der Naturfreundejugend Berlin bietet in diesem Rahmen von 16 bis 19 Uhr einen Workshop zu Antisemitismus in der DDR mit dem Titel: “Von zehntausend Antifaschisten, die es in Nazideutschland gegeben haben mag, lebten allein acht Millionen in der DDR.” an.

Hier eine Liste mit allen angebotenen Veranstaltungen:

10.30-11.00
Treffpunkt: HU Hauptgebäude, Unter den Linden 6, Hörsaal 2072.
Begrüßung, Vorstellung des Berliner Bündnisses gegen die Wendefeierlichkeiten und der Workshops

11.00-14.00 Workshop-Phase1
Realsozialismus: Scheitern und Zukunft des Kommunismus

Workshop 1:
Die schlechte Kapitalismuskritik der Realsozialist_innen (jimmy boyle)
Um zu beklagen, dass der Kapitalismus “ungerecht” sei und die Verteilung des Reichtums nicht korrekt ist, dafür muss mensch keine Marxist-Leninistin sein. Die kommunistischen Parteien diesen Schlages haben aus dieser Kritik allerdings den Schluss gezogen, dass eine Revolution fällig sei und wo sie konnten eine Ökonomie neuen Typs eingerichtet, die weder Plan
noch Markt war. Auf diesem Workshop sollen diese Formen der Kapitalismuskritik diskutiert werden und gezeigt werden, wie sie die Grundlage für die eigenartige Ökonomie der Ostblockländer waren.

Workshop 2:
Wie organisiert man Kommunismus? Historische Diskussionen und Kritik des Modells ‘Marktsozialismus’ (TOP)
Die Einführung des ‘Neuen Ökonomischen Systems der Planung und Leitung’ (NÖS) unter Walter Ulbricht nach 1963 in der DDR bedeutete eine neue ökonomische Ausrichtung der zuvor streng zentral geplanten Produktion und Verteilung. Zweck der Reform war eine höhere wirtschaftliche Effizienz durch die Nutzung der “materiellen Interessiertheit” von Betrieben und Belegschaften, d.h. von Konkurrenzelementen in der sozialistischen Ökonomie. Zugleich jedoch sollte an dem Anspruch, dass der Sozialismus in der DDR im Sinne der Geschichtsschreibung des Marxismus-Leninismus (ML) eine Vorstufe des Kommunismus sei, strikt festgehalten werden.
Anhand von kurzen Texten diskutieren wir im Workshop, unter welchen historischen Voraussetzungen im Realsozialismus überhaupt über Notwendigkeit und Effekt der Einführung eines Marktsozialismus diskutiert wurde, inwiefern heutige Debatten um einen ‘Dritten Weg’ an die damaligen Vorstellungen von Marktsozialismus anknüpfen und welche Konsequenzen die Kritik der marktsozialistischen Versuche für die Frage hat, wie sich Kommunismus ‘organisieren’ ließe.

Workshop 3:
War mit den Deutschen nach 1945 überhaupt noch Sozialismus zu machen, oder hätte sich die SED ein anderes Volk wählen sollen? (Internationale KommunistInnen)
Wir wollen darüber diskutieren, ob es nur an der falschen Politik der SED lag, dass der Sozialismusversuch der DDR scheiterte, oder ob es in Deutschland wenige Jahre nach der Zerschlagung des NS-Regimes durch die Alliierten überhaupt Voraussetzungen für eine sozialistische Entwicklung gab. Außerdem spielen für uns die Erfahrungen aus dem Scheitern der Oktoberrevolution in Russland und die Politik des Stalinismus eine zentrale Rolle bei der Einschätzung des Charakters der DDR und der Sozialismusvorstellungen der SED.

Workshop 4:
Die Assoziation freier Produzenten (paeris)
Das Ziel ist klar: der Verein freier Menschen, und die konkrete Ausgestaltung der Gesellschaft wird sich aus dem historischen Prozeß ergeben. Auf den Verlauf der Geschichte zu vertrauen ist riskant angesichts der Erfahrungen des real existierenden Sozialismus, fanden die holländischen Rätekommunisten 1930. Um das Umschlagen in neuerliche Herrschaft zu vermeiden, sollte man sich Gedanken machen, nach welchen Prinzipien eine befreite Gesellschaft organisiert werden kann. Ihr Vorschlag ersetzt politische Entscheidungen durch ökonomische Sachlogik und eine radikale Selbstverwaltung der Betriebe. Können politische Entscheidungen damit tatsächlich vermieden werden, und falls ja: Ist das eigentlich wünschenswert? Oder müssen nicht immer auch politische Entscheidungen getroffen werden, so dass man sich fragen muss, innerhalb welcher Strukturen solche Entscheidungsprozesse möglichst herrschaftsfrei stattfinden können?

14.00-16.00 Pause
um 15.45 treffen wir uns im HS1.101 (Hegelgebäude, Dorotheenstr. 24) zur Vorstellung aller Workshops, die am Nachmittag abgehalten werden

16.00- 19.00 Workshop-Phase 2
Nationalismus und Angriff auf die Gedenkfeierlichkeiten

Workshop 1
Der historische Materialismus – eine antirevolutionäre Revolutionstheorie (jimmy boyle)
Der historische Materialismus ist ein wesentlicher Grundzug marxistisch-leninistischer Vorstellungen. Die Kritik desselben erhellt manche Ekligkeit der realsozialistischen Praxis und ist daher Bestandteil der Antwort auf die Frage, wie der Kommunismus so auf den Hund kommen konnte.

Workshop 2
DDR im Gedenk-Nationalismus der Berliner Republik (TOP)
Die Staatsideologie der Berliner Republik entwickelt sich in Abgrenzung zum Nationalsozialismus und zum Realsozialismus. Nach anfänglichen Widerständen wurde der NS produktiv ins nationale Selbstbild integriert. Deutschland wurde Aufarbeitungsweltmeister. Die DDR wurde zwar immer wieder als “zweite deutsche Diktatur” etc. mit dem NS gleichgesetzt. Doch erst jetzt, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, zeichnet sich eine geschichtspolitisch vergleichbar produktive Aneignung des Realsozialismus ab: Die Mythisierung der ‘friedlichen Revolution’ macht Deutschland nachträglich zur revolutionären Demokratie. Auf Grundlage der staatlichen Anerkennung des ‘Zivilisationsbruchs’ Auschwitz wird so eine Neuaneignung der Vergangenheit als Nationalgeschichte möglich. Sie erscheint als Vorgeschichte eines nun endlich freien und geeinten Deutschland. Der Workshop zeichnet die wichtigsten Stationen und Kontroversen dieser nationalideologischen Sinnstiftung seit 1989 nach, und problematisiert sie als ideologischen Kitt einer falschen Freiheit. Gemeisam mit den Teilnehmenden sollen linksradikale Strategien zum Umgang mit dieser neuen deutschen Ideologie gesucht werden.

Workshop 3
„Die Verteidigung der Heimat ist das höchste Gut des Lebens“ – Der real
existierende Nationalismus (jimmy boyle)

Das Zitat aus der Pravda von 1934 ist keineswegs ein Ausrutscher der sowjetischen Parteipresse aus den stalinistischen 1930er Jahren, sondern die Bolschewiki kannten durchaus seit ihrer Gründung einen guten, ja gar vernünftigen Nationalismus, nämlich denjenigen, der der „Sache“ nützt. In dieser Allgemeinheit sind sie sich mit dem „bourgeoisen“ Nationalismus sehr einig, der von den Bolschewiki auch nur dafür kritisiert wird, dass er „bourgeois“ ist. In diesem Workshop sollen anhand ausgewählter Zitate von Lenin die Vorstellungen zu Nationalismus und seinen Leistungen entwickelt und kritisiert werden.

Workshop 4
“Von zehntausend Antifaschisten, die es in Nazideutschland gegeben
haben mag, lebten allein acht Millionen in der DDR.” (Jurek Becker)
Workshop zu Antisemitismus in der DDR (AK Stalin hat uns das Herz gebrochen, NFJ Berlin)

Spätestens seit der Ausstellung, mit der die Amadeu-Antonio-Stiftung im letzten Jahr den Antisemitismus in der DDR öffentlich kritisierte, kann niemand, auch nicht aus der Linken, mehr behaupten, es hätte “das” in der DDR nicht gegeben. Im Mainstream-Geschichtsdiskurs der BRD kommt das Bild der DDR als antisemitischer Staat gut an. Schließlich eignet sich das
Thema hervorragend, um antikommunistische Positionen zu rechtfertigen. So können die Freund_innen der deutschen Nation auch noch bequem in totalitarismustheoretischer Manier den Nationalsozialismus relativieren und die BRD – jetzt als “wiedervereinigtes” Deutschland – abfeiern. Aber auch in Teilen der Linken, wird sich nur selten die Mühe gemacht, einen
differenzierteren Blick auf die verschiedenen Erscheinungsformen des Antisemitismus in der Politik der SED, aber auch in der DDR-Bevölkerung zu wagen. Im Rahmen des Workshops wollen wir anhand von Thesen diese verschiedene Aspekte diskutieren.

Workshop 5:
Krieg dem Deutschen Kunst! Zum aktuellen Umgang mit deutscher Geschichte in der Kunst. (Rosa Perutz)
Seit dem 3.Oktober ist im Deutschen Historischen Museum die Ausstellung “Kunst und Kalter Krieg – Deutsche Positionen 1945-89″ zu bewundern. In ihr hat Kurator Eckhardt Gillen, der zuletzt mit der Ausstellung “Deutschlandbilder” (1998, Berlin) nach dem suchte, was wirklich deutsch ist in der Kunst, gemeinsam mit der gleich gesinnten Stephanie Barron (Lacma,LA) sein Ziel erreicht: die Einhegung künstlerischer Arbeit aus Ost und West als Ausdruck des deutschen Geistes, dessen fortgesetzte Brüderlichkeit, die nur von einer soziologoschen Nebensächlichkeit, dem bösen, Kalten Krieg überschattet wurde. Im Unterschied zur
Bildzeitungsausstellung “60 Jahre,60 Werke” wird diese Ausstellung vom deutschen Feuilleton hoch gelobt und als kritische Rekonstruktion einer deutsch-deutschen Kunstgeschichte gewürdigt. Um so interessanter ist sie für Rosa, die im Workshop gemeinsam fragen will: Wie wird in der Kunst die nationale Einheitsgeschichte durch die Systemoppositionen hindurch rekonstruiert? Was unterschlägt, verleugnet oder transformiert diese Rekonstruktion? Welche Funktion bekommt die Kunst in dieser Rekonstruktion der Nation zugemessen? Was bedeutet das für unsere Auseinandersetzung mit Kunst – und mit dem gegenwärtigen deutschen Nationalismus überhaupt? Und wie lässt sich die Nationalisierung der Kunst Geschichte und Gegenwart praktisch und theoretisch bekämpfen? Wie lassen sich Angriffe gegen das Deutsche in der Kunst kollektiv herstellen?

19.00-19.30 Pause

19.30-21.30 Fragen an Bernd Gehrke und Renate Hürtgen (Moderation: Internationale KommunstInnen/TOP)

Bernd Gehrke kämpfte im Herbst 1989 als linker DDR-Oppositioneller in der “Vereinigten Linken” (VL) für Demokratie und Sozialismus in der DDR und nicht für einen Anschluss an die BRD. Renate Hürtgen war 1989 Mitbegründerin der “Initiative Unabhängige Gewerkschaften“ in Berlin (Ost). Wir wollen mit beiden diskutieren, welchen Rückhalt die von den Oppositionsgruppen vertretenen Positionen vor dem Mauerfall in der Bevölkerung hatten, warum sie gescheitert sind und welche Perspektiven auf den Kommunismus heute zu entwickeln wären vor dem Hintergrund dieser Niederlage in der Niederlage. War es nur die Hoffnung auf die DM, die die politischen Vorstellungen der Opposition 1989 in der DDR marginalisierte oder bestanden von Anfang an Illusionen über die DDR-Bevölkerung? Welche Ansätze gab es in der “Initiative für Unabhängige Gewerkschaften“? Was waren die Mitbestimmungsmodelle, was waren die Leerstellen und Versäumnisse, und wie sind sie rückblickend zu erklären? Bestanden Kontakte zur Westlinken und zu Gewerkschaften in der BRD? Welche Hoffnungen und Illusionen waren damit zum Beispiel für die “Vereinigte Linke“ oder die “Initiative Unabhängige Gewerkschaften“ verbunden? Und gab es auch unter den DDR-Linken Diskussionen über Nationalismus und Rassismus, wie sie vor 20 Jahren in Westlinken geführt wurden? Dies sind einige der Fragen, die wir zum Abschluss des Workshoptags gemeinsam mit Bernd Gehrke und Renate Hürtgen diskutieren wollen.

Anmeldungen zum Workshoptag an mail[at]top-berlin.net

Die Veranstaltungsreihe ist vorbei. Die Audio Dateien zu den einzelnen Veranstaltungen, bis auf die Abschlussveranstaltung, findet ihr unter der Rubrik Audio.

Veranstaltungsort

Haus der Demokratie und Menschenrechte
Greifswalder Straße 4, 10405 Berlin-Prenzlauer Berg

Tram M4, Bus 200, 240, Haltestelle „Am Friedrichshain“

„Stalin hat uns das Herz gebrochen“

Die fünfteilige Veranstaltungsreihe widmet sich schwerpunktmäßig einerseits stalinistischer Verfolgung in der DDR, die antisemitische Muster mobilisierte und gegen jüdische Kommunist_innen einsetzte und andererseits jüdischem Leben und Alltagsantisemitismus in der DDR.

Extremismustheoretischen, antikommunistisch motivierten Ansätzen, Antisemitismus in der DDR zu erklären, soll eine Analyse entgegengesetzt werden, die Antisemitismus als herrschaftssichernde Ideologie begreift und deren Überwindung einfordert. Zudem wendet sich die Veranstaltungsreihe gegen den Versuch von konservativer Seite, Kritik am Antisemitismus in der DDR dafür zu nutzen, die Gedenkpolitik der Bundesrepublik von ihren Fehlern rein zu waschen und Nation und Kapitalismus zu legitimieren.

Im bundesdeutschen Gedenken haben Jüdinnen und Juden nur als Opfer antisemitischer Verfolgung Platz. Und auch nur dann, wenn sie sich nicht als Kommunist_innen begreifen.
Demgegenüber sollen in der Veranstaltungsreihe insbesondere die Lebensschicksale, Erfahrungen und Perspektiven jüdischer Kommunist_innen im Mittelpunkt stehen, wobei auch diejenigen einbezogen werden, die sich heute aufgrund ihrer Erfahrungen nicht mehr als solche bezeichnen wollen.

Voller Enthusiasmus remigrierten jüdische Kommunist_innen nach dem Sieg über Nazi-Deutschland in die Sowjetische Besatzungszone (SBZ), um sich am Aufbau des Sozialismus zu beteiligen. Mit dem antifaschistischen und antikapitalistischen Selbstverständnis des jungen Staates galt es, das notwendig falsche Bewusstsein der Bevölkerungsmehrheit, die sich noch wenige Jahre zuvor für Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus begeistert hatte, zu überwinden. Doch die Bindung der SED an Stalin führte schnell zur bitteren Enttäuschung. Im Zuge der stalinistischen Säuberungen Anfang der 1950er Jahre wurden in den in Osteuropa stattfindenden Schauprozessen antisemitische Ressentiments mobilisiert. Auch in der DDR wurden Kommunist_innen durch ihre eigenen Genossinnen und Genossen aufgrund ihrer jüdischen Herkunft als „Zionisten“, „westliche Spione“ und „Kosmopoliten“ diffamiert.
Mit der Veranstaltungsreihe soll der Frage nachgegangen werden, die sich seit der Russischen Revolution immer wieder stellt: Wann und wo waren die Brüche, bei denen autoritäre Parteipolitik revolutionäre, emanzipatorische Positionen ausschloss und sich antisemitischer Rhetorik und Praxis bediente?



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