Die Veranstaltungen im Einzelnen

Mittwoch, 11. Februar 2009, 19.00 Uhr FILM & VORTRAG
Stalin hat uns das Herz gebrochen
„Stalin hat und das Herz gebrochen“ (Deutschland 2000, 52 min, Regie: Minka Pradelski und Eduard Erne)
Anschließend Anna Dost und Hannes Püschel: Historische Einordnung des Films, aktuelle deutsche Gedenkstättenpolitik und Totalitarismustheorie
Der Film erzählt zunächst von der Hoffnung, die jüdische Kommunist_innen mit der jungen DDR verbanden und zeigt schließlich die Trauer und die großen Enttäuschung, die für sie das Erleben der stalinistischen Säuberungen mit sich brachte. Die Dokumentation zeigt aber auch eine im „Supergedenkjahr 2009“ einmal mehr ausgeblendete Perspektive auf deutsche Geschichte. Hierzulande gilt es neuerdings, die sogenannte „doppelte Vergangenheit“ – NS und Realsozialismus – gleichermaßen aufzuarbeiten. Im Interesse der finalen Rehabilitierung der deutschen Nation als Aufarbeitungsweltmeisterin werden nationalsozialistische Verbrechen relativiert.

Dienstag, 24. Februar 2009, 19.00 Uhr VORTRAG
Der Nationale Antisemitismus und seine Bedeutung im Staatsozialismus
Referent: Klaus Holz (Autor des Buches „Nationaler Antisemitismus. Wissenssoziologie einer Weltanschauung“)
Nach der Ideologie des Marxismus-Leninismus wird Antisemitismus im Namen von Klassenkampf und Internationalismus abgelehnt. Dennoch kam es mittels einer Tarnsprache zu einer Integration des modernen Antisemitismus. Jüdinnen und Juden wurden in doppelter Weise zu den Feinden des „werktätigen Volkes“ erklärt: als Kosmopoliten stellten sie das Gegenprinzip von Volk/Nation dar, als Zionisten verkörperten sie den Imperialismus/Kapitalismus. Damit formierte sich ein antizionistischer Antisemitismus, der sich auch heute großer Beliebtheit erfreut.

Mittwoch, 11. März 2009, 19.00 Uhr FILM & GESPRÄCH
Wie aus einer Kommunistin eine Jüdin wurde
Film „In mir oder nirgends“ (Deutschland 1997, 52 min, Regie: Sabine Mieder)
Anschließend Gespräch mit der Protagonistin Salomea Genin
„Ich wollte nur eins: Eine deutsche Kommunistin sein und in der DDR leben“, so resümiert Salomea Genin ihren Entschluss, aus dem australischen Exil nach Deutschland zu remigrieren. Als überzeugte Kommunistin und Atheistin kam sie 1954 zunächst nach West-Berlin, um dann 1963 in die DDR überzusiedeln. Nach zwanzigjähriger Mitarbeit als Informelle Mitarbeiterin des Ministeriums für Staatssicherheit brach sie 1982 mit dem Realsozialismus und wurde 1985 aktiv in der DDR-Opposition und in der jüdischen Gemeinde.

Mittwoch, 25. März 2009, 19.00 Uhr FILM & GESPRÄCH
DDR-Alltag und Antisemitismus
Film „Johanna – eine Dresdner Ballade“ (Deutschland 1996, 30 min, Regie: Freya Klier)
Anschließend Gespräch mit Eva Nickel (Sozialberatung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin)
„Da fiel mir alles, was ich in den Händen hatte, die Gläser und das Geschirr, herunter auf seinen Schoß (…) Ich hatte den Mann, der mich umbringen wollte, wiedererkannt.“ „Er“ war für Johanna Krause kein Unbekannter: Jahre zuvor hatte der jetzige SED-Parteisekretär Herbert Ossmann sie in SS-Uniform versucht zu vergewaltigen und zu ermorden. Als Überlebende von drei KZs war die 1907 in Dresden geborene Johanna mit ihrem Mann am Aufbau der DDR beteiligt und traf in ihrer Gaststätte auf ihren alten Peiniger. Es folgten antisemitische Attacken und letztlich der von Ossmann gegen sie veranlasste Parteiausschluss.

Mittwoch, 8. April 2009, 19.00 Uhr DISKUSSION
Perspektiven einer emanzipatorischen Erinnerungs- und Gedenkpolitik
Referent: Olaf Kistenmacher (promoviert zu antisemitischen Stereotypen in der KPD der Weimarer Republik); Moderation: Bini Adamczak (Autorin des Buches „Gestern Morgen“)
In der Abschlussveranstaltung geht es im Rahmen der Beschäftigung mit der DDR um Perspektiven einer emanzipatorischen Erinnerungs- und Gedenkpolitik. Hierbei sollen die stalinistischen Säuberungen einbezogen werden, ohne die Shoah in ihrer Singularität zu relativieren oder für eine Rehabilitierung der Erinnerungspolitik der BRD her zu halten. Die Kritik an linkem Antisemitismus soll in einen größeren Zusammenhang gesetzt werden, der Herrschaft als solche thematisiert.
Wie kann den Opfern stalinistischer Politik gedacht werden? Wie kann die Idee einer emanzipatorischen, herrschaftsfreien bzw. kommunistischen Gesellschaft im Gedenken ihren Platz haben und was hieße das für die Zukunft?